Die Spinnerkapelle

Publié le par Solnade

A cogiter...


Dans le livre 1125 Jahre Oberstaufen, pages 144-146 est écrit :


Die Spinnerkapelle verdient hier erörtert zu werden, nicht nur, weil sie legendenumwoben ist, sondern weil dort seit dem 19. Jahrhundert an einer innewand eine Gedenktafel mit einem unzutreffenden Text gehangen hat.

Diese Tafel ist heute nach einer neuen Innenrestaurierung entfernt worden. Deren Text ist nie auf seine Richtigkeit hin überprüft worden und wurde so weiterverbreitet. Auch der Oberallgäuer Heimatschriftsteller Alois Schmid von Zaumberg, Reichstagsabgeorneter, hat den Text ungeprüft in seinem 1901 erschienen Bändchen vom Markt Oberstufen übernommen.

Alois Schmid nennt den Eingangstext der Gedenktafel in der Spinnerkapelle wie folgt :


“Im Jahre 1596 hat Freiherr Georg von Königsegg einen Vertrag mit den Einwohnern von Staufen zu Kempten wegen Steuererhebung absgeschlossen, wobei ein Sebastian Mahler unter den Gesandten vorkommt. Aus dieser Familie ging später ein Mann hervor, der Spinner genannt wurde, wahrscheinlich weil er und sein Weib durch fleissiges Spinnen sich ein beträchtliches Vermögen erwarben. Sie wohnten in dem Haus des Weissgerbers Dietrich, welches auch ihr Eigenthum war. Da diese Eheleute lange ohne Kinder waren, gelobten sie eine Kapelle zu bauen, wenn sie mit Kindern gesegnet würden. Und wirklich bekamen sie zwei Kinder und erbauten darauf die sogenannte Spinnerkapelle. Sie verkauften dann ihr Haus an die damalige Sonnewirthschaft, jetzt Eigenthum des Bäckermeisters Joseph Häusler, dazumal einem abgekommenen Klaremändel gehörend, wahrscheinlich im Jahre 1646, als die Schweden in Staufen waren. Eines dieser Kinder von Spinner, ein Sohn, verehelichte sich dann auf die Sonnenwirthschaft, wurde später Ammann und hinterliess sechs Kinder mit Namen :

  1. Joseph Mahler, Wirth in Stiefenhofen, dessen Töchter am Schwärzler in Wiedemannsdorf und Wiedemann in Ebratzhofen verheirathet wurden.
  2. Georg Mahler, der ein Maler wurde. Seine Nachkommen sind heute noch ansässig auf dem sogen. Mahlers Jörge Haus, jetzt Benedikt Kolb.
  3. Franz Mahler, Uhrmacher in Staufen
  4. Christian Mahler, Sonnenwirth zu Staufen, dessen Tochter Anna Maria an den Rösslewirth Weinhart zu Kempten verheiratet ist und eine der angesehensten Familien in Kempten bildet. Eine Tochter war in Holzleute an Benedikt Kolb verheiratet, deren Nachkommen Postmeister Kolb zu Kempten und Nellenbruck waren
  5. Eine Tochter Catharina.
  6. Eine Tochter verheirathet an Gürtler Nägele in Immenstadt, von deren Kindern ein Sohn Kaplan in Staufen und später Pfarrer in Krumbach, Gerichts Bregenz, war”.

Alois Schmid schreibt dann : « In der Gedenktafel der Kapelle wird dieses Geschlecht noch weiter verfolgt » und am Schluss heisst es dann : « Im Laufe der Zeiten wurde die Kapelle baufällig; da gelobten im Jahre 1890 die Gastwirths- und Bäckerseheleute Johannes und Juliana Kustermann, dieses ehrwürdige Alterthum wieder herstellen zu lassen”.

 

Die Nachprüfung ergab : Das kinderlose Ehepaar Kustermann hat auch Kapitalien zu örtlichen Wohltätigkeitstiftungen gegeben.


Als die Staufner Untertanen im Jahre 1596 mit ihrem Landesherrn im Steuerstreit gelegen haben, wurden sie beim Schiedsgericht zu Kempten vom Gerichtsammann Sebastien Glatt, sechs Männern des Gerichts Staufen, darunter Bastian Mahler, und von zwölf Männern aus der “Baurschaft”, darunter Martin Mahler, vertreten.


Der “Sonne”-Wirt wird in den königseggischen Landsteurbüchern erstmals 1775 als solcher genannt (erstmal 1775 auch der “Adler”-Wirt). Vor 1775 hatte es noch keine Wirtshausnamen gegeben. Bei dieser “Sonne” handelte es sich um das Haus Schlossstrasse No. 6. Hausnummern und Strassennamen hat es übrigens vor 1800 auch nicht gegeben.

 

Aus der Landsteuerbüchern ergibt sich :

Erstmals 1644 kann man einen Jerg Hagspiel ermitteln, der im Steuerbuch von 1674 als « Beck » bezeichnet ist. Das kann ein Hinweis auf die Existenz des (« Sonnen »-) Wirtshauses sein, denn jeder Wirt war zugleich Beck.

 

Im Steurbuch von 1678 kann man dann einen Mathiss Hagspiel als Anwesensbesitzer des Haus No. 6 ermitteln. 1723 war er mit dem Sohn Johannes Hagspiel der Steuerpflichtige. Im Steuerbuch von 1678 ist dann registriert : Joseph Mahler vorhin Johannes Hagspühl. Da war Mahler bereits auf Haus No. 6 gesessen und als Gerichtsammann bezeichnet. Sein Weib war Maria Hagspillin (die Tochter des Johannes Hagspiel). Das Ehepaar hatte sechs Kinder. Mahler hatte also in das Haus eingeheiratet. 1765 versteuerte der Gerichtsammann Joseph Mahler drei Häuser.


Wie aus einer 1624 gesiegelten Urkunde hervorgeht, war auch schon sein Schwiegervater Hans Hagspiel Gerichtsammann.


Hier beginnt nun der Zusammenhang zwischen dem Gerichtsammann Mahler, dem "Sonnen"-Wirt Hagspiel und dem legendenumwobenen ‘”Spinner”.


Dafür, dass Joseph Mahler der Sohn eines “Spinners” Mahler gewesen sei, gibt es keine Quelle.


Dagegen gibt es zwei Quellen, die auf einen “Martin Hagspiel genannt Spinner” hinweisen.


Als im Steuerbuch von 1674 Jerg Hagspiel, Beck, registriert war, war dort auch ein Martin Hagspiel, Weber, registriert. Inwieweit er mit dem Jerg verwandt war, ist aus den Steuerbüchern nicht feststellbar. Bei diesem Martin Hagspiel, Weber, scheint es sich um den Martin Hagspiel gennant Spinner zu handeln, der wie folgt nachweisbar ist :

Der Staufner Propst Johannes Glatt berichtet in seinem Repertorium, dass am 10. April 1661 sich bei ihm in der Propstei eine fünfköpfige Abordnung der Gemeinde Staufen eingefunden hatte, darunter auch “Martin Hagspiel der Spinner”, die mit ihm einen Beitrag der Propstei zum Wegeunterhalt aushandeln sollte. Dieser Martin Hagspiel musste wohl der gewesen sein, der 1674 als Weber bezeichnet wurde. Als vermögender Mann zählte er zum Gemeindeausschuss, der beim Propst erschienen war.


Im Haupttstaatsarchiv München befindet sich eine Pergamenturkunde vom 20. Juli 1659, bei der es sich um eine durch Reichsgraf Hugo von Königsegg-Rothenfels beukundete Erneuerung der “durch das Kriegswesen in Abgang geratenen Stiftung seines seligen Vaters Georg in die gebenedeite Mutter Gottes Maria Empfängnis dedizirte Schlosskapelle zu Staufen” handelte, welcher sein Vater am 8. Dezember 1619 zwei Kapitalien – 190 Gulden damals bei Christian Witzigmann uffm Stöbiss, jetzt bei Hans Gschwendter, Cammerer daselbst angelegt und 109 Gulden bei Joss Hagspiel, jetzt bei Martin Hagspiel genannt Spünner zu Staufen, etc. etc.


Zu diesem urkundlich belegten Sachverhalt ist zu ergänzen, dass es ausser den zwei geschilderten Belegen zum namentlich gennanten “Martin Hagspiel dem Spinner” in keinem Steuerbuch und in keiner Urkunde oder Aufschreibung ein weiteres Beispiel dafür gibt, dass ein anderer Steuerzahler  und Marktbürger mit dem Beisatz “genannt Spinner” erwähnt wäre.


Man gewinnt den Eindruck, dass es dem enthusiastischen Schöpfer des Gedenktafeltextes darum zu tun war, dem Bürgergeschlecht Mahler Ehre und Ansehen zu geben und dieses Geschlecht mit der Gründung der Spinnerkapelle in Verbindung zu bringen. Dabei ist die von ihm aufgenommene Überlieferung vom Spinner und dessen Zusammenhang mit den Geschlechtern Hagspiel und Mahler etwas durcheinandergeraten.


Abgesehen davon, dass der “Spinner” nicht Mahler, sonder Hagspiel geheissen hat, hat der Schöpfer des Gedenktafeltextes die Überlieferung von dem “Spnner” mit dem Sebastian Mahler von 1596 in Verbindung gebracht, um auch die Generationen des Geschlechts Mahler gebührend hervorzuheben.


Der “Spinner” (Hagspiel) ist 1659 und 1661 namentlich mit dem Beisatz “genannt Spinner” nachgewiesen.


Theoretisch konnte er ein Enkel des Sebastian Mahler von 1596 gewesen sein, wenn der Spinner eben Mahler geheissen hätte. Aber auch dann hätte der spätgeborene Sohn des Spinners nicht der spätere Gerichtsammann Joseph Mahler gewesen sein können, der in die “Sonne”-Wirtschat eingeheiratet hat.


Tatsache ist nämlich, dass der Gerichtsammann Joseph Mahler am 2. März 1714 als Sohn eines Georg Mahler und dessen Ehefrau Anna Maria geborene Huber aus Buchenegg geboren wurde.

Am 16. Mai 1738 hat dieser Joseph Mahler die Tochter Anna Maria Hagspiel des “Sonne”-Wirts geheiratet und wurde später, wie sein Schwiegervater es gewesen, Gerichtsammann.


Wäre der Gerichtsammann Joseph Mahler der spätgeborene Sohn des Spinners gewesen, wie im Gedenktafeltext geschildert, wäre der Spinner zur Zeit der Geburt des späteren Gerichtsammanns mindestens 85-90 Jahre alt gewesen. Das wollt wohl nicht einmal der Gedenktafel-Text—Schreiber unterstellen.


Der 1596 genannte Sebastian Mahler müsste bei gerader Linie der Ur-Ur-Grossvater des Gerichtsammann gewesen sein.


Fazit l : Der « Spinner » war also kein Mann namens Mahler, sondern ein Verwandter (ob Onkel oder entfernter Vetter) des Schwiegervaters Hagspiel des Gerichtsammanns Joseph Mahler (1714-1790).


Dieser Gerichtsammann Joseph Mahler (1714-1790) dürfte ein Onkel ode rein entfernter Vetter des gleichnamigen späteren Gerichtsammanns Joseph Mahler (1751-1842) gewesen sein. Genaue Genealogie steht noch aus.


Si vous n'avez rien compris, vous pourrez toujours vous divertir avec le Staufner Heimatsmuseum...

 

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